Samstag, 8. September 2012

Die Pfarre Krewinkel


Die St. Eligius-Pfarrkirche Krewinkel

Krewinkel wird im Jahre 1501 in einem Feuerstellenverzeichnis genannt. 15 solcher Stellen werden aufgeführt. Für damalige Verhältnisse eine stattliche Zahl. Mit Sicherheit stand in Krewinkel schon vor dem 16. Jahrhundert eine Kapelle, wie die neuesten Erkenntnisse Ausgrabungen belegen. Durch Zusammentragen aller Forschungsergebnisse kann man heute davon ausgehen, dass die Kapelle in vier Phasen erbaut wurde:

° Nach Abtragung des Innenputzes wurde im zweiten Joch der südlichen Chormauer eine blinde stichbogenförmige Öffnung freigelegt, eine Außenöffnung. Es ist also zu vermuten, dass der jetzige Chor ehemals ein eigenständiges Bethaus war.

° Zu einem ebenfalls nicht mehr nachzuweisenden Zeitpunkt wurde dann in einer zweiten Bauphase vermutlich die Westwand des Oratoriums entfernt und ein Schiff angebaut.

° In einer dritten Bauphase wurde der Turm angebaut. Dies belegen die durchgeführten archäologischen Ausgrabungen. Das Erdgeschoss des massiven Turms weist Schießschachte auf, was andeutet, dass der Turm älter als die gotische Kirche ist und ursprünglich eine wehrhafte Funktion hatte.

° In einer weiteren Bauphase wurde das gesamte Bauwerk gotisiert. Hier wurde ein Kreuzrippengewölbe in Chor und Turm sowie ein Netzgewölbe im Schiff eingezogen. Im Chor wurden die möglicherweise bestehenden Öffnungen stark vergrößert und Fenster mit Maßwerk eingesetzt. Im Chor befinden sich schöne gotische Wandmalereien, die im Zuge der Restaurierung entdeckt und freigelegt wurden. Ebenso wurden die offensichtlich bestehenden Fenster im Schiff mit einem spitzbogigen Abschluss sowie mit spätgotischem Maßwerk versehen, was auch die ungewöhnlich hohe Position der Fenster erklären würde. Diese umfassende bauliche Veränderung fand höchstwahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts statt, wie Vergleiche mit anderen zeitgenössischen Bauten der Region belegen.

Die Kapelle wurde in einem für die Region typischen Stil und mit hiesigen Materialien erbaut: das Mauerwerk besteht aus verputzten und weiß getünchten Bruchsteinen. Diese weißen Flächen bilden einen ästhetisch reizvollen Kontrast zu den
Fenstereinfassungen, dem Maßwerk, den Abdeckungen der Stützpfeiler, den Gewölberippen und den Säulen, Pfeilern und Diensten, die allesamt aus Rotsandstein gefertigt sind.

Neben kleineren dokumentierten Renovierungsarbeiten fand im Jahr 1688 eine grundlegende Renovierung statt, welche die Architektur kaum veränderte. 1924 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben.

Neben einer Glocke von 1548, die in den Jahren 1843 und 1923 umgegossen, dann im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt wurde und verschwand, gab es im Krewinkler Kirchturm noch eine Glocke von 1899, von Fa. Otto in Hemelingen gegossen. Sie trägt die Aufschrift VISITATIONEM VIRGINIS MARIAE CELEBREMUS CHRISTUM EJUS FILIUM ADOREMUS DOMINUM 1899. Eine zweite Glocke wurde 1953 auf Kriegsschäden vergütet und durch die Firma Michiels aus Tournai gegossen. Sie trägt die Aufschrift HL. ELIGIUS UND HI. GERTRUDIS BITTET FÜR UNS und eine Darstellung des heiligen Eligius im Bischofsgewand. Beide Glocken wurden 1964 im
Turm der neuen Kirche aufgehängt.

Ende der 1950er Jahre plante Pastor Stoffels einen Anbau an die Kapelle. Diese Pläne wurden aber verworfen und so kam es 1961 unter Pfarrer Joppen zu einem Neubau was aus kunsthistorischer Sicht eine glückliche Entscheidung war, die den Erhalt des gotischen Bauwerks sicherte. Heute wird die Kapelle als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt. Die Kapelle steht seit dem 9. März 1979 unter Denkmalschutz.

 Die neue Pfarrkirche 
Zur Pfarre Krewinkel gehören noch die Dörfer Afst, Allmuthen und Kehr. Die Bevölkerung wuchs so schnell, dass im Jahr 1961 unter Pastor Joppen mit dem Bau einer neuen Kirche, schräg gegenüber der alten begonnen wurde.

Diese wurde ohne öffentliche Gelder, sondern nur durch den Einsatz und die Spenden der Bevölkerung finanziert. Dazu hatte Pastor Joppen „Bausteine“ drucken lassen, die eine Abbildung des Kirchenmodells zeigten und von den Spendern käuflich erworben werden konnten. Als Gegenzug verpflichtete sich die Pfarrgemeinde, während 50 Jahren jährlich 2 Messen für die Spender zu lesen.

Es handelt sich um einen großen einschiffigen Bau, dessen Chorraum nach Süden orientiert ist. Der Glockenturm steht auf der Ostseite. Schiff und Chor ruhen auf einer Leimbinderstruktur, das Mauerwerk ist verputzt. Der Chor verbreitert sich zur Ost- und Westseite. So entsteht auf der Westseite eine offene Seitenkapelle in der eine Pieta aufgestellt ist. An der Ostseite befinden sich eine Taufkapelle und eine Empore. Im Außenbereich schließt sich hier der Turm an. Auf der Nordseite befindet sich der Haupteingang mit Sakristei und einer zweiten Empore. 



Die Ausstattung der Kirche ist schlicht und überwiegend modern. Die Buntglasfenster mit abstrakren Motiven, teils in Blei teils in Beton gefasst, wurden durch das Kunst-Glasatelier Frans Griesenbrock aus Vaals gefertigt und durch die Firma Felix aus Maastricht eingesetzt. Auf der Nordwand des Schiffes hängen 14 Kreuzwegstationen aus Holz mit Email, die ebenfalls aus dem Atelier Griesenbrock stammen. Im westlichen Seitenflügel befindet sich eine Pieta, eine Kopie der Pieta in der Kathedrale zu Trier, welche aus einer Masse aus Holzspänen mit Gips von der Firma Wagner aus Königswinter gefertigt wurde.

Das Tabernakel aus Messing mir Bronzeapplikationen wurde durch das Atelier Vandenhoute in Anderlecht geliefert. Auf der Außenmauer, links neben dem Haupteingang, ziert eine großflächige Darstellung des Pfarrpatrons Eligius die Wand. Es handelt sich um eine Arbeit aus mehrfarbigem Putz und Mosaikapplikationen, die durch einen niederländischen Künstler angebracht wurde. Die bisher genannten Ausstattungstücke kamen um das Jahr 1964 nach Krewinkel. In den 1980er Jahren wurde hinter dem Zelebrationsaltar auf der Südwand, eine Kreuzigungsszene angebracht. Die drei Figuren (Jesus am Kreuz, Maria, Johannes) sind nach klassischem Vorbild in einer süddeutschen Werkstadt angefertigt worden.

Quellen:
·       Reiners / Neu: Die Kunstdenkmäler von Eupen Malmedy, S. 259-261.
·       Kultur- und Museumsverein Kapelle Krewinkel (Hsg.), Autorenteam Hubert Jenniges, Edgar Kessler, Nikla Kessler, Agnes Maus-Metlen, Siegfried Meyer, Toni Plattes, Albert Rodemers, Michaela Schumacher-Fank, Bruno Schür: 1150 Jahre Manderfeld, 2004, S. 184-186.